{"id":131,"date":"2007-05-10T08:53:32","date_gmt":"2007-05-10T06:53:32","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wuenschenswert.net\/wunschdenken\/archives\/131"},"modified":"2007-05-10T08:53:32","modified_gmt":"2007-05-10T06:53:32","slug":"ken-morinaga-im-shoshin-dojo","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.wuenschenswert.net\/wunschdenken\/archives\/131","title":{"rendered":"Ken Morinaga im ShoShin Dojo"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.aikido-dojo-rothestrasse.de\/fset-lehrer.html\">Ken Morinaga<\/a> ist vollberuflicher Aikido-Meister und dazu noch Original Japaner(tm) &#8211; Grund genug, mal einen Lehrgang bei ihm zu besuchen. Sein Aikido hat er bei Yamaguchi und Takeda gelernt, dazu kommt noch Taiji. Ich war also darauf vorbereitet, mal eine andere Perspektive einzunehmen als beim Aikikai\/Asai-Stil.<\/p>\n<p>Ken hatte einige h\u00fcbsche Metaphern und Vergleiche im Gep\u00e4ck. Grundlegend: &#8220;Viele verwechseln weich mit schwach, und stark mit starr&#8221;. Das bringt&#8217;s so derma\u00dfen gut auf den Punkt &#8211; typische Abfolge: man versucht, die Technik weich auszuf\u00fchren, macht sie stattdessen schwach, dann klappt sie nicht, man denkt sich &#8220;dann aber jetzt richtig&#8221; und macht sie starr und verkrampft, was dann auch nicht klappt (oder nur unter Schmerzen). Weich und Stark, wie cool, wie diese Kung Fu-Weisheit &#8220;sei wie das Wasser, das den Felsen aush\u00f6hlt&#8221;.<\/p>\n<p>Ganz praktisches Beispiel: Beide Arme werden gepackt. Statt abzublocken nimmt man den Angriff auf, aber l\u00e4sst auch nicht alles mit sich machen. Denn wenn man sich die Arme zu weit nach hinten f\u00fchren l\u00e4sst, ger\u00e4t man in eine sehr ung\u00fcnstige Position (z.B. Arme auf dem R\u00fccken). Man muss schon vorher irgendwie t\u00e4tig geworden sein: wegdrehen, hochf\u00fchren, den anderen seitlich kippen, etc.<\/p>\n<p>Umgekehrt ein Beispiel zum Thema stark\/starr beim Festhalten: Nicht die ganze Zeit mit voller Kraft festhalten, das kann man nicht mehr steigern; stattdessen fest genug, dass man sp\u00fcrt, was der andere macht, und im letzten Augenblick dann richtig fest, so ein Griff ist sehr schwer zu l\u00f6sen.<\/p>\n<p>Bei den Aufw\u00e4rm\/Atem\u00fcbungen streichen wir oft die Arme aus (mit der anderen Hand von oben bis zu den Fingerspitzen). Ken hatte daf\u00fcr eine interessante Deutung: Man kann es als Erinnerung verstehen, die Arme nicht zu blockieren, sondern die Energie frei nach aussen fliessen zu lassen. Und tats\u00e4chlich: man kann sp\u00fcren, wie die Muskeln sich mit der Bewegung entspannen. &#8220;Eine M\u00f6glichkeit&#8221;. Eine weitere sp\u00e4tere Deutung: Mit derselben lockeren Bewegung kann man auch einen Griff abstreifen. Wenn der andere nicht sp\u00fcrt, wann der Griff gel\u00f6st wird, verpasst er den &#8220;letzten Augenblick&#8221; zum Festhalten.<\/p>\n<p>F\u00fcr mich ungewohnt war, dass Ken viel vom &#8220;Ziehen&#8221; sprach (alternativ &#8220;Saugen&#8221;) &#8211; Asai schickt immer nur nach aussen. Das scheint mit Kens Taiji-Bildung zu tun zu haben &#8211; im Taiji trainiert man nicht nur den \u00e4u\u00dferen, sondern auch den inneren Kreis, d.h. wie man Energie aufnimmt, komprimiert, speichert, ohne sich dabei zu verkrampfen.<\/p>\n<p>Das mechanische Bild dazu war das Gummiband (beim Ziehen) und die Feder (beim Schieben). Ok, also geschmeidig bleiben. Mechanische Bilder finde ich immer etwas trostlos, weil sie mir wenig dar\u00fcber sagen, wie es sich anf\u00fchlt &#8211; was weiss ich denn, wie es einer Stahlfeder so geht.<\/p>\n<p>Mysteri\u00f6s und spannend waren die Schiebe-\u00dcbungen &#8211; ein wenig wie das aus anderen Kampfkunstarten bekannte Push Hands. Theorie dazu: &#8220;wenn der andere stark entgegengeht, nachlassen, so dass er ein Loch sp\u00fcrt, in das er unfreiwillig hineinrutscht, daher zuckt er wieder leicht zur\u00fcck, darin wieder mitgehen&#8221; => Netto Raumgewinn. Dass das funktioniert, erfordert nat\u00fcrlich jede Menge Erfahrung und Geschicklichkeit: man tausche einfach mal die Rollen in der Beschreibung, dann wird das &#8220;Nachlassen&#8221; zum &#8220;Zur\u00fcckzucken&#8221; und es gibt stattdessen einen Netto Raumverlust.<\/p>\n<p>Der Aspekt des Kontakts ist f\u00fcr diese Schiebe- und Gleichgewichts\u00fcbungen offenbar zentral. Erkl\u00e4rung dazu: &#8220;Eins werden (Ai+Ki), wie Zahnr\u00e4der, die ineinander greifen &#8211; wenn eins sich bewegt, muss das andere sich mitbewegen&#8221;. Insbesondere bei Kokyo Nage kann man erst werfen, wenn Kontakt da ist.<br \/>\nBei einer \u00dcbung nimmt man den auf sich zust\u00fcrmenden Partner auf und f\u00fchrt ihn kurz vor der Kollision hoch &#8211; und der Partner fliegt. \u00dcber den Kontakt entsteht eine unwillk\u00fcrliche Komplizenschaft, die Energie l\u00e4uft zusammen, und das Ergebnis l\u00e4ssst sich physikalisch kaum noch erkl\u00e4ren. In Aikido-Sprech: &#8220;Das Ki wird hochgef\u00fchrt&#8221;.<\/p>\n<p>Ein sch\u00f6nes Bild hatte Ken auch daf\u00fcr, wie man eigentlich wirft. Bei Asai heisst es einfach &#8220;werfen Sie bis ganz hinten, an die Wand&#8221; &#8211; auch wenn es physikalisch offenbar unm\u00f6glich ist, den K\u00f6rper bis dahin zu werfen, soll die Bewegung doch weiterf\u00fchren und nicht vorher schon aufgeben. Ken vergleicht das mit einer Flasche, in der eine Fl\u00fcssigkeit ist &#8211; man bringt die Flasche in Schwung, stoppt sie dann an, und die enthaltene Fl\u00fcssigkeit schwappt weiter in die Richtung. Anderes Bild: Ein Bus mit Fahrg\u00e4sten drin bremst, und die Fahrg\u00e4ste taumeln noch ein paar Schritte in der Fahrtrichtung weiter.<\/p>\n<p>Ken erkl\u00e4rte (wie wir es von Asai kennen) ein paar Techniken durch das Schwert: man denkt sich bei der Bewegung ein Schwert, dessen Schwertspitze man bewegt. Dadurch wird Bewusstsein geschaffen f\u00fcr die Drehachsen, die Gleichm\u00e4\u00dfigkeit der Bewegung, und f\u00fcr den Schwerpunkt, und man verbeisst sich nicht in die Stelle, an der der Partner einen gefasst hat.<\/p>\n<p>Technisch und uninteressant fand ich den Monolog dar\u00fcber, dass der Uke nicht (wie &#8220;andere Schulen&#8221; sagen) unbedingt mit einer bestimmten Seite angreifen m\u00fcsse, wenn Tore mit einer bestimmten Seite vorn steht. Wir lernen noch, und das ist eine Konvention, die uns beim \u00dcben hilft, OK?<\/p>\n<p>Zum Abschluss noch eine wundersch\u00f6ne Beschreibung f\u00fcr eine an sich bekannte Atem\u00fcbung: Die Arme gehen zusammen in der Mitte hoch und dann im gro\u00dfen Kreis aussen wieder nach unten. &#8220;Wie ein Feuerwerk&#8221;.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ken Morinaga ist vollberuflicher Aikido-Meister und dazu noch Original Japaner(tm) &#8211; Grund genug, mal einen Lehrgang bei ihm zu besuchen. Sein Aikido hat er bei Yamaguchi und Takeda gelernt, dazu kommt noch Taiji. Ich war also darauf vorbereitet, mal eine andere Perspektive einzunehmen als beim Aikikai\/Asai-Stil. 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