{"id":177,"date":"2008-08-10T01:03:57","date_gmt":"2008-08-09T23:03:57","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wuenschenswert.net\/wunschdenken\/?p=177"},"modified":"2008-09-18T08:42:39","modified_gmt":"2008-09-18T06:42:39","slug":"bis-an-die-grenze-gehen-muss-nicht-weit-sein","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.wuenschenswert.net\/wunschdenken\/archives\/177","title":{"rendered":"Bis an die Grenze gehen muss nicht weit sein"},"content":{"rendered":"<p>&#8220;Wenn Du nicht bis an Deine Grenzen gehst, findest Du auch nicht heraus, wo sie sind&#8221; &#8211; so \u00e4hnlich kommentierte Tom vor einer Weile, als ich mir auf der Matte zu viel zugemutet hatte. Das h\u00f6rt man gern, schwingt doch eine abenteuerlich-heroische Komponenten mit &#8211; &#8220;an seine Grenzen gehen&#8221;, das ist kurz vor &#8220;where no man&#8217;s gone before&#8221;. <\/p>\n<p>In letzter Zeit suche ich ausserhalb des Dojo, beim Inline Skaten, Skilaufen, Schwimmen, Klettern, Fahrradfahren, Laufen, Kickern. Und stelle fest: Das Abenteuerlich-Heroische kann sich schnell verfl\u00fcchtigen, wenn offenbar wird, wo die Grenzen tats\u00e4chlich liegen. Insbesondere, wenn anderer Leute Grenzen ganz woanders liegen &#8211; Du stellst fest: Hey, ich bin ja wirklich schlecht. Was f\u00fcr Dich ein Riesen-Schritt ist, wird bestenfalls bel\u00e4chelt oder als Pr\u00e4ludium zu den echten Leistungen gesehen.<\/p>\n<p>Beim Schwimmen ist es f\u00fcr mich schon eine Herausforderung, nicht in blinde Panik zu verfallen, wenn ich mich verschlucke. Mein erster K\u00f6pfer (im zarten Alter von 34 Jahren) war aufregender als alle Horrorfilme meines Lebens zusammengenommen. Sicherlich eine ehrenhafte Sache, diese Grenze zu finden und zu \u00fcberwinden, aber geht es beim Schwimmen nicht um etwas ganz anderes? Geschwindigkeit, Ausdauer, optimaler, effizienter Krafteinsatz, Wasser &#8220;greifen&#8221;, Dreierzug, Tauchwende,&#8230;<\/p>\n<p>Das gleiche lie\u00dfe sich von allen anderen Sportarten erz\u00e4hlen: Man ist stolz, mit Toprope die 5er-Tour geklettert zu sein, und sieht dann einen Spiderman im Vorstieg an der Decke der Halle turnen. Mit Inline-Skates bergab fahren und dabei auf der Bremse stehen ist schon ein Nervenkitzel, hat aber wenig mit einem Salto in der Halfpipe zu tun. Langlauf-Ski sind schon echt glitschig und kriegen bergab ganz sch\u00f6n Fahrt drauf, aber Abfahrt \u00fcber schwarze Pisten ist doch noch eine Nummer h\u00e4rter. Etc. etc.<\/p>\n<p>Was mich reizt, sind die Dinge, die ich gar nicht kann, die ich noch nie selbst gemacht habe. Beim allerersten Versuch stellt sich eine alle Systeme erfassende <i>Angst<\/i> ein, der ganze K\u00f6rper schreit &#8220;aber ich weiss doch gar nicht wie das geht&#8221; oder sogar &#8220;mach das bloss nicht, dabei kann man sich <i>wehtun<\/i>&#8220;, und dann machst Du es und es geht doch ein bisschen, und Du merkst, wo es nur der die Angst war, die Dich begrenzt, und beim n\u00e4chsten Mal geht ein bisschen mehr.  Und irgendwann ist dann der Punkt erreicht, wo Du merkst: jetzt l\u00e4uft es, ab jetzt ist es nur noch Arbeit. <\/p>\n<p>Und dann suche ich mir etwas Neues, denn es gibt so viele viel n\u00e4her liegende Dinge, vor denen ich <i>Angst<\/i> habe.<\/p>\n<p>Hinter der ersten hohen Schwelle kommen in jeder Richtung sicherlich noch viele weitere, anspruchsvollere Grenzen; und vielleicht z\u00e4hlt es im Vergleich mit anderen mehr, weiter gekommen zu sein, die Grenze noch h\u00f6her gesteckt und erreicht zu haben; aber f\u00fcr das eigene Leben bringt es einfach mehr, eine Grenze anzugehen, die so naheliegt, dass man sie anderen gegen\u00fcber kaum zugeben m\u00f6chte, vielleicht nicht einmal sich selbst gegen\u00fcber.<\/p>\n<p>Das sind die Grenzen, hinter denen ganz neue R\u00e4ume liegen. Keine menschenleeren &#8220;where no man&#8217;s gone before&#8221;-R\u00e4ume, sondern im Gegenteil, R\u00e4ume mit Menschen, f\u00fcr die das ganz normal ist, die vielleicht gar nicht mehr wissen, dass es da mal eine Schwelle zu \u00fcberwinden gab.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8220;Wenn Du nicht bis an Deine Grenzen gehst, findest Du auch nicht heraus, wo sie sind&#8221; &#8211; so \u00e4hnlich kommentierte Tom vor einer Weile, als ich mir auf der Matte zu viel zugemutet hatte. 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