Sog

Durch seinen Angriff schafft der Angreifer eine Verbindung, die ihn in eine Abhängigkeit bringt. Der Angriff führt mit verfestigtem Willen auf ein Ziel, das der Angegriffene vorgibt – nämlich den Angegriffenen selbst.
Im Aikido nutzen wir das ganz praktisch aus. Die Ausweichbewegung wird so gestaltet, dass der Angreifer sich immer tiefer verstrickt. Um in seinem Angriff erfolgreich zu sein, muss der Angreifer kleine Bewegungen des Verteidigers ausgleichen. Aber wie lange ist eine Bewegung noch klein? Die Ausweichbewegung beginnt ganz sanft und führt zu einer ebenso sanften (und unbewussten) Korrektur beim Angreifer, die ihn aber zunehmend von der ursprünglichen Bahn abbringt. Wenn der Angreifer dennoch am Ball bleibt, befindet er sich irgendwann komplett unter Kontrolle des ursprünglich Angegriffenen. Wenn er den Angriff abbricht, läuft er Gefahr, mit seinem Rückzug auch gleich einen Gegenangriff mitzuziehen, denn die Verbindung besteht ja noch.
Das ist so die Theorie, und das wird auch geübt.
Der Sog ist spürbar. Als Angreifer willst Du greifen, schlagen, halten, und findest nur ein Loch, wirst emporgezogen, gedreht, und alles ohne eine Kraft zu spüren, gegen die Du Dich wehren könntest.
Die Verbindung funktioniert manchmal. Aber wenn der Angreifer zu starr ist, ist es schwer, ihn mitzunehmen. “Du fällst wie eine Eiche”, sagt Ronald zu meinem Trainingpartner, nachdem der voll gegen meinen ausgestreckten Arm gelaufen und umgefallen ist. Entweder braucht man für solche Fälle harte Gegentechniken – wer starr ist, lässt sich ja gut als ganzes “Werkstück” bearbeiten – , oder man muss Wege finden, auch den verhärtetsten Gegner aufnehmen zu können.

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