Harmonie bis zum Umfallen

09. März 2008

“Wir stehen hintereinander, in der gleichen Richtung, mit der gleichen Haltung. Wenn ich jetzt das Bein zurücknehme, fällt er um. Da braucht man gar nicht groß zu ziehen.”

Andreas Jürries erklärt einen Irimi Nage. Dadurch, dass sich die Kräfte harmonisieren, entsteht eine Verbindung, in der sich eine Bewegung direkt auf den Partner überträgt. Und da die Positionen dann doch unterschiedlich sind, fällt der eine, und der andere bleibt stehen.

Mich beunruhigt die Verantwortung, die darin liegt. Je harmonischer die Beziehung, desto mehr bewegen wir einander, und können uns mit kleinsten Gesten zu Boden werfen.

Maßstäbe setzen

25. Februar 2008

Wenn Du Zahnschmerzen hast, zieh Dir zu enge Schuhe an!

Lebensweisheit, zitiert nach V.

Volle Kräfte voraus!

15. Februar 2008

Es heisst oft, im Aikido solle man keine Kraft einsetzen. Meister Asai sagt: Das ist Quatsch. Im Aikido braucht man sehr wohl Kraft, nur nicht die blockierende, in sich hineinziehende Kraft, sondern eine nach aussen gerichtete (vielleicht könnte man sagen: zielgerichtete, effektive?). Diese Art Kraft kann man voll einsetzen, ohne sich selbst zu verletzen, und da sie klarer daherkommt, fällt es auch anderen leichter, sich darauf einzustellen.

Beim letzten Lehrgang kam mal wieder der Zusatz: “Wenn sie 100 Kraft haben, setzen Sie 100 Kraft ein”. Nun bietet das Japanisch-Deutsche ja Raum für Deutungen - ich hatte das als prozentuale Aussage verstanden (100% geben), habe gestern aber noch eine andere interessante Deutung gehört:

  • Muskelkraft
  • Willenskraft
  • Vorstellungskraft
  • Überzeugungskraft
  • Atemkraft
  • Ki-Kraft
  • Hebelkraft
  • Zentrifugalkraft
  • Gravitationskraft
  • Kraft der Liebe (?)
  • Konzentrationskraft (gibt’s das Wort im Duden?)
  • …etc…

Wir denken einfach viel zu eindimensional.

Control

12. Januar 2008

Kontrollierter Kontrollverlust ist das Thema, das mich beim diesjährigen Deutschlandbesuch von Jorma Lyly am meisten fasziniert hat. Es fing an mit “Off-Balancing Exercises”: Der eine greift den anderen, z.B. am Unterarm, und hält den Kontakt, die Füsse dürfen sich nicht bewegen. Der Gegriffene fühlt sich in den Greifenden ein und führt ihn dann zu Boden. Das geht erstaunlich leicht.
Das englische Wort finde ich super gewählt: Es ist eben nicht nur eine Gleichgewichtsübung, sondern insbesondere eine Gleichgewichts-Verlust-Übungen, und auch eine Aus-dem-Gleichgewicht-Bring-Übungen.
Jorma führte diese Technik mit vielen verschiedenen Partnern vor. Anfänger fallen generell plötzlicher und härter als die Fortgeschrittenen. Anfänger neigen dazu, zu viel Kraft aufzuwenden, um genau ihre Position zu halten; sobald das nicht mehr möglich ist, entlädt sich diese Kraft in einem heftigen (und steifen) Fall.
Jorma gab uns mit auf den Weg, dass man nur etwas lernen könne, wenn man bereit sei, sich aus dem Gleichgewicht bringen zu lassen. Das Straucheln, Rudern, Stolpern ist eine Suchbewegung, in der man ein neues Gefühl finden kann. Wer sich zu sehr in seiner Stabilität verkriecht, bleibt auch darin gefangen, und fällt im Zweifelsfall mit Klirren und Krachen.
Gibt es einen Trick? Vielleicht: den Kontakt, der zu einer fliessenden und unmittelbaren Bewegung aus dem eigenen Zentrum heraus führt. Zusammen mit einem guten Wissen über das, was überhaupt physikalisch möglich ist, wohin der andere also mitgehen kann und wird. Dieses leitende, wendende Mitgehen macht ruckhafte Reaktionen unnötig. Wenn man dann irgendwann mal einen Zugang dazu findet.

Tanzende Tiere

28. Dezember 2007

Wir sind tanzende Tiere. Wie schön ist es, aufzustehen und vor die Tür zu gehen und was zu erledigen. Wir sind hier auf Erden, um herumzufurzen. Laßt euch von niemandem was anderes erzählen.

Kurt Vonnegut (zum Thema elektronischer Gemeinschaften)

Persepolis

16. Dezember 2007

“Du wirst im Leben viele Idioten treffen. Wenn sie dir wehtun, sag dir, dass es ihre Dummheit ist, die sie treibt, dich zu verletzen. Das wird dich hindern auf ihre Bosheit zu reagieren.”

Marjanes Grossmutter in Persepolis

Fast da…

06. November 2007

Wir sind schon 1/5 um die Welt herum, jetzt gerade in Taipeh - ab Hanoi gibt es dann ein Spezial-Blog: http://fischsauce.blogspot.com

Auf zum Gate…

Grad

17. Oktober 2007

Merke: Zwischen zwei Graden gibt es immer einen Ungraden.

What a Wonderful World

16. Oktober 2007

Everything I touch turns to cinder
“Everything I touch turns to cinder”

Kenza in WWW: What a Wonderful World von Faouzi Bensaïdi

Tags: Film noir, Burleske, Stummfilm, auf selbstverständliche und leichte Art tragisch, phantastische Choreographien (Autozirkus!), Stadtbilder, Bonnie and Clyde, romantisch, taffe Frau, cooler Killer, Leben am Rande, Casablanca.

Sterne: 5.

Nimm mir ab, gib mir zurück

10. Oktober 2007

Bei einem sehr netten Ausflug mit einem Rudel kleiner Kinder habe ich wieder mal erstaunt festgestellt, wie viele unserer Verhaltensmuster wir schon von Kindheit an mit uns herumschleppen.

Da ist also Lea, die darauf bestanden hat, ihren kleinen Rucksack mitzunehmen. Der Rucksack wird ihr zu schwer, deswegen drückt sie ihn ihrem großen Bruder in die Hand. Wenige Sekunden später stellt sie fest, dass sie ihren Rucksack aber selbst haben will, und fordert ihn energisch zurück. Der gutmütige Bruder gibt ihr den Rucksack. Woraufhin sie schnell wieder feststellt, dass der Rucksack doch ganz schön schwer ist, und das ganze Spiel geht von vorn los.

Und so über Stunden.

In der Welt der Erwachsenen geht es meist um abstraktere Lasten, sagen wir mal: Verantwortung. Aber auch hier ist der Wunsch oft größer als die Fähigkeiten, was man hatte, fällt einem erst auf, wenn man es weggegeben hat, und zu fordern fällt immer leicht, wenn man die Last nicht selbst trägt.

Schön, wenn der große Bruder so viel Geduld hat und das Spiel so lange mitspielt.